Heinz Hämmerle fliegt 1292 km

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am 2013-12-28 von Heinz Hämmerle

Heinz Hämmerle fliegt 1292 km (!) am 26.8.2011

Vorab ein paar grundsätzliche Anmerkungen zu Föhnflügen

Es ist sicher kein Vergnügen in diesen schweren Turbulenzen herum zu turnen. Der Erfolg bei den möglichen großen Strecken ist verständlicherweise verlockend. Die langen Bergzüge sind kein Problem. Die Übergänge und das Vorfliegen gegen den Wind und Neueinstieg das sind die kritischen Punkte. Die wenigen erfahrenen Piloten die das machen sind sich dessen bewusst. Ich gehe mit großem Respekt daran und vermeide jedes unnötige Risiko. Ist es im Schlepp oder in der Anfangsfase zu turbulent klinke ich oder breche den Flug ab. Ich könnte oft noch optimaler fliegen, gehe aber lieber etwas vorsichtiger ans Werk und vermeide unnötige Belastungen da die Flüge ja über 10 Stunden dauern und ich am Schluss auch noch total fit für die Landung sein muss. Die Landung bei einbrechender Dunkelheit müssen wir sicher besser lösen. Ich rufe mit dem Mobil in den hochgelegen Schigebieten Gisela an um die Spannung etwas zu nehmen. Eine Landung außerhalb eines Flugplatzes ist nicht ratsam. Werner, Swen und ich debattieren oft darüber wo denn die Grenzen sind. An Fliegerabenden werden wir die Problematik sicher noch besser besprechen!

Erkennen der Wetterlage, Startvorbereitung

Es ist immer wieder ein Lotteriespiel ob die Wetterprognose wirklich eintritt – Donnerstagabend 9Uhr Telefon mit Werner –Alptherm geht nicht – aber Alpenflug sagt Traumbedingungen voraus. 10Uhr beschließen wir den Start. Freitag 8Uhr Werner startet - Werner muss mich ermuntern das ich auch starte – habe immer Bedenken das ich bei so einem Wetter auch noch 10 bis 12 Stunden „Rodeo-fliegen“kann. Vater Herbert Amann und Werners Sohn Tobi helfen aufbauen – Tobi bleibt bis zum Start und muss dann zu Fuß heimgehen – Vielen Dank ohne ihn wäre ich nicht in die Luft gekommen. Dank auch an Raimund Fink der uns geschleppt hat.

Um 9Uhr hebe auch ich auf Piste 05 ab, damit noch 11-Stunden bis Sunset. Der Start ist nicht unkritisch habe in gut 100m Windscherung. Habe aber Glück denn wenig später kommt der Föhn auch am Platz durch und der Start wäre nicht mehr möglich gewesen. Den ganzen Tag dann Föhnsturm im Rheintal.

Der Flug

Klinke am Hohenkasten –Steigenderweise Vorflug zum Kreuzbergen. Werner konnte mit seinem vollgetankten 18m-Vogel direkt über die Churfürsten durchfliegen. Ich bastle schon wie bei anderen Flügen wieder, mit der Standardmaschine würde ich aus 2200 den Sprung über die Voralpseelücke bei den Churfürsten nicht schaffen. Aber einen Versuch starte ich. Genau über dem Voralpsee erwische ich einen Rotor, kann auf 3800 steigen –(Streckenstart) entschließe mich auf die Rotorenstrecke hinter den Churfürsten und dem Rätikon nach Osten – es funktioniert – meine Föhnerfahrung trifft zu – von Brand aus kippe ich in die Hangwindfliegerei – Hochjoch/Zamang, den Kamm zum Patriol – kann südlich vom Arlberg wieder auf einer Rotorenroute über den Riffler weiterfliegen und dann erst wieder bei Passeirer bei Landeck in die Hangwindstrecke wechseln – Tolle Verhältnisse, gewaltige Hangwinde – ohne Kreis bis zum Achensee – über Funk gibt Werner schwächere Winde im Osten bekannt – ich entscheide mich für das schon vorgeplante erste kürzere Zurückfliegen in die Schweiz, da abends möglicherweise die hereinbrechende Kaltfront den Flug in die Schweiz nicht mehr möglich macht. Die Riesenstrecke die wir vorhaben kann in 6 Schenkeln geflogen werden. Also drehe ich am Achensee um –(177 km).

Der Achensee unter mir schäumt, fliegendes Wasser! Fliege die Rennstrecke nach Westen zurück. Werners Strategie ist zuerst weit nach Osten. Damit haben wir längere Zeit keinen Funkkontakt mehr. In Dalaas Talwechsel nach Süden um auf die Südseite des Rätikons um damit auf einen Weiterflug am Hang in die Schweiz zu kommen brauche ich den Rotor in Schruns – doch der ist nicht zu finden – und nachdem mir zweimal das Fahrwerck selbstständig ausgefahren ist und mehrmals die Fahrwerksklappen anständig „geklappert“ haben flüchte ich in die Windstrecke ins Klostertal (319km)- vielleicht kann ich am Abend dann noch das „Gummiband“ in die Schweiz ausdehnen. – (das ist dann tatsächlich möglich geworden) – problemloser Flug im Hangwind wieder nach Osten – Am Arlberg treffe ich einen Schweizer Reto im Arcus T (neuer Duo Discus mit Klappen und Motor) der mir brav bis nach Bischofhofen folgen sollte – Leider dreht er dort schon um.- Flug geht entlang der Rennstrecke über Lechtaler, Mieminger, Nordkette, Kaisergebirge, Leoganger, (das einzige mal wo ich kurbeln muss um schnell das Tal zu queren) Hochkönig,Eben,Filzmoos Bischofmütze,Dachstein, Grimming, Hallermauer, Hoher Buchenstein bis Tamischbachturm, Hieflau (700km) wo ich wende und wieder die gleiche Strecke bis zum Kaisergebirge bei Kufstein wo ich das erste mal wieder kreise um das Inntal zum Rofan zu queren.

Die Nordkette geht vor einem vom Brenner kommenden Schauer direkt unheimlich – Die Motorflieger auf der Innsbrucker-Frequenz fragen laufend wie sie das Wetter bewältigen können. Die Windangabe am Patscherkofel soll 150km/h sein! Nach der Miemingerkette kommt ein massiver Schauer aus Süden daher –bedeckt das ganz Tal und ist binnen weniger Minuten über der Nordseite des Tales – im Regen kann ich steigen und fast an der Wolkenbasis im Norden Landeck erreichen – leider ist auch hier der nächste Schauer aus dem Süden unterwegs und hüllt bereits das ganze Landeckerbecken aus – wieder kann ich mit gutem Steigen zur Basis weit im Norden den Passeier geraden noch schaffen – Arlberg und Klostertal gehen wieder gut, doch Montafon und Walgau sind mit Regenschauern überzogen –keine Wellen oder Rotoren zu sehen – ich flüchte zum Gerachkamm und kann dort termisch steigen – 80km/h Wind jagen mich nach Norden – die Schauer holen mich ein - wie ein Wunder kann ich westlich der Schauer in Rotor-Termikformation dann glücklich die Scharte der Churfürsten beim Voralpsee überspringen – dann wird’s wieder zum Kinderspiel – entlang des Churfürstenkammes bis über Schänis zum kleinen See vom dem Vierwaldstädtersee, wo ich wieder wende (1139km ).

Und wieder zurück über die Churfürsten bis zum Gonzen und dann die Rheintalquerung, bei der ich kaum vorwärts komme – im Rheintal hat der Wind ganz extrem zugenommen – zwei Achter und ich bin in sicherer Höhe um den Kamm der Rätikons entlangfliegen zu können. Die Uhr ist natürlich nun laufend unter Kontrolle – wie weit darf ich noch fliegen um bei Sunset am Boden zu sein – Die Schauer im Montafon sind schwächer geworden – Der wahnsinnige Südwind hat alles wieder aufgetrocknet und vom Bodensee her ist die Bodenkaltfront immer noch nicht zu sehen – mit Werner der in dieser Zeit auch von Tirol kommend im Ländle eingetroffen ist, checke ich laufend die nächsten Schritte ab – er will ja auch noch über den Wallensee von dem ich gerade herkomme – nur im Wind fliege ich noch über Schruns und dem Klostertal über den Arlberg – die Zeit wird knapp und ich wende wieder (1227km).

Dann jage ich das Klostertal hinaus und über das Rheintal bis nach St.Gallen – dort endet mein 6.Schenkel 1292km– mit deutlicher Reserve fliege ich nach Hohenems zurück (25km die nicht mehr zählen, genau so wie die 17km zu Beginn vom Klinkpunkt Hoher Kasten zum Startpunkt Churfürsten)–Gesamtstrecke wäre dann 1334km! - die Zeit wird knapp und im Rheintal kann es zwischen den Rotoren massive Abwinde geben. – Die Stumwarnung am See läuft auf Hochtou ren, Werner macht mich darauf aufmerksam, Ironie kein Boot darf segeln.

In 400m über Platz ist noch ein wilder Südwind aktiv – doch knapp über dem Hanger, ich kann kaum glauben das der Windsack schlaff nach unten hängt , dachte der Föhnsturm hat den Windsack zerrissen. Doch kein Wind und einfache Landung – einfaches Abbauen ohne Wind – Gerd hilft und erklärt was für ein Föhnsturm den ganzen Tag über geherrscht hat. So einen Tag habe ich auch noch nicht erlebt! Die angekündigte Kaltfront hat brav gewartet und ist erst wenige Stunden nach der Landung herein gekommen.

Wir sind überglücklich das geschafft zu haben und überraschenderweise gar nicht müde! Das Gehen fällt zuerst allerdings schwer.

Die Auswertung

Werner fliegt 1559 km (Stecke)

  • österreichischer Rekord
  • Europa Rekord
  • 2.bester Flug 18mKlasse weltweit 2011
  • Mannschaftswertung der Staatsmeisterschaft vorl. Führung,
  • 3.Platz 18mKlasse, vorläufig

und bei mir sind es tolle 1292 km (Strecke)

  • österreichischer Rekord
  • Europäischer Rekord Standardklasse
  • 2.bester Flug weltweit Standardklasse 2011 (ein Amerikaner fliegt 8km weiter)
  • Führung in der Staatsmeisterschaft Standardklasse
  • 2.Platz Senioren Wertung
  • Führung Mannschafts-Staastmeisterschaft mit Werner und Peter (Mungenast)

Ich möchte mich ganz herzlich bedanken

Gisela, die mir das Fliegen in der Art überhaupt ermöglicht. Zu Hause zu sitzen wenn die Fetzen im Föhn fliegen in dem Wissen er düst mit der Kiste durch die Täler ist eine nervenaufreibende Sache. Die Landung ist ja erst bei Dämmerung! Seit 40 Jahren ist sie auf allen Wettbewerben die Stütze und hilft und versorgt mich die ganze Zeit.

Beim Verein, besonders mit Obmann Hanno Ölz und Werkstättenleiter Michel Mayer, der mir eine konkurrenzfähige Maschine überläst. Dazu noch Heinz Stieger der Vorgänger von Hanno der meine ganze Wettbewerbs- und Streckenfliegerei in die Wege geleitet hat und mich über Jahre als Mannschaft betreute.

Die anderen Piloten, die mithelfen das wir überhaupt in die Luft kommen und sie möglicherweise am Boden bleiben müssen

Den Schlepppiloten, denn nur ein guter Freund schleppt dich in den Föhn!

Presse

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